Österreich zählt zu den wenigen europäischen Ländern, die seit über vier Jahrzehnten von der Maul- und Klauenseuche verschont geblieben sind. Als 2025 in Ungarn und der Slowakei plötzlich neue Fälle auftraten, reagierte die heimische Veterinärbehörde umgehend mit Schutzmaßnahmen. Wie Österreich seine Seuchenfreiheit bewahrt hat – und was Landwirte heute wissen müssen.

Erreger: Picornavirus · Betroffene Tiere: Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Paarhufer · Ansteckungsweg: Hoch ansteckend, Kategorie A · Status Österreich: Seuchenfrei · Letzter Ausbruch Österreich: 1973

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Exakte Anzahl betroffener Tiere und Betriebe beim Ausbruch 1973 in Österreich
  • Serotyp des Virus beim Ausbruch 1973
  • Wirtschaftliche Schäden 1973 im Vergleich zu heutigen Präventionskosten
3Zeitleisten-Signal
4Ausblick und Überwachung
  • Österreich bleibt unter Beobachtung, EU-weite Überwachung aktiv
  • Direkte Verbringung von Tieren aus Ungarn/Slowakei unter Auflagen möglich
  • Impfstrategien werden auf EU-Ebene diskutiert
Merkmal Detail
Krankheit Maul- und Klauenseuche (MKS)
Erregerfamilie Picornaviridae
Übertragung Direkt, Aerosol, Futter
Österreich-Status Seit 1973 kein großer Ausbruch, seit 1981 offiziell frei
Morbidität Bis 100%
Letalität Bei Jungtieren bis 20%
Inkubationszeit 2–14 Tage
Serotypen 7 (A, C, O, Asia 1, SAT 1, 2, 3)

Wann war Maul- und Klauenseuche in Österreich?

Der letzte große Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Österreich ereignete sich 1973, insbesondere in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach in Niederösterreich. Betroffene Tiere waren nicht nur Schweine, sondern auch Rinder, Schafe und Ziegen zeigten Symptome. Ein Erfahrungsbericht aus dieser Zeit dokumentiert, wie Zuchtsauen Rötungen, Krusten und Bläschen rund um die Zitzen entwickelten.

Im Jahr 1981 gab es einen weiteren kleineren MKS-Ausbruch in einer niederösterreichischen Gemeinde. Durch rasche Eindämmungsmaßnahmen konnte der Ausbruch begrenzt werden. Seit diesem Zeitpunkt gilt Österreich als MKS-frei – kein Fall wurde im Land nachgewiesen, selbst als 2025 in den Nachbarländern neue Ausbrüche auftraten.

Die aktuelle Situation demonstriert die Wirksamkeit der österreichischen Veterinärkontrollen: Trotz Ausbrüchen in Ungarn (erster Fall am 26. März 2025) und der Slowakei blieb Österreich verschont. Alle Proben fielen negativ aus, wie das Sozialministerium bestätigte.

Historische Ausbrüche

Neben dem Großen Ausbruch 1973 und dem Fall 1981 gab es in Europa mehrere bedeutende MKS-Ereignisse: Die Schweiz war 1980 betroffen, Italien 1994, Griechenland von 1995 bis 2000. Der verheerendste europäische Ausbruch neuerer Zeit war 2001 im Vereinigten Königreich mit Hunderttausenden getöteten Tieren.

In Deutschland trat die Seuche am 10. Januar 2025 in Brandenburg auf – der erste Fall seit 1988. Bis zum 14. April 2025 galt Deutschland wieder als MKS-frei. Der deutsche Ausbruch löste auch in Österreich erhöhte Wachsamkeit aus.

Was das bedeutet

Die erfolgreiche Seuchenfreiheit Österreichs über mehr als vier Jahrzehnte ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Veterinärkontrollen und rapid eingeleiteter Maßnahmen bei Verdachtsfällen.

Wo ist aktuell Maul- und Klauenseuche?

MKS ist weltweit verbreitet und gilt als endemisch in Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas. In Europa waren 2025 insbesondere Ungarn und die Slowakei betroffen – beide Länder grenzen direkt an Österreich.

Der erste Fall im ungarisch-slowakischen Grenzraum wurde am 26. März 2025 bestätigt. Österreich reagierte umgehend: Ab dem 27. März 2025 wurden Überwachungs- und Schutzzonen eingerichtet, Einfuhrverbote für Klauentiere, Fleisch und Milchprodukte aus den betroffenen Ländern verhängt.

Die Sperrzonen in Österreich – insbesondere in Burgenland und Niederösterreich – wurden schrittweise aufgehoben. Die letzte Sperrzone fiel am 21. Mai 2025, wie das Land Niederösterreich bekannt gab. Das Einfuhrverbot aus der ungarischen Sperrzone endete am 6. Juni 2025.

Globale Verbreitung

Weltweit existieren sieben bekannte Serotypen des MKS-Virus: A, C, O, Asia 1, SAT 1, SAT 2 und SAT 3. Das Virus ist resistent gegen Austrocknung und Kälte, was seine Verbreitung über weite Strecken erleichtert. In Regionen ohne konsequente Bekämpfungsmaßnahmen zirkuliert das Virus dauerhaft in Wildtierpopulationen.

Status in Europa

Der aktuelle Stand (Stand Juni 2025) zeigt: Ungarn verzeichnete seinen letzten Fall am 17. April 2025, die Slowakei am 4. April 2025. Ungarns Sperrzonen blieben bis zum 5. Juni 2025 aktiv. In Österreich sind derzeit alle Sperrzonen aufgehoben, wie das Veterinärwesen Steiermark bestätigt.

Warum das relevant ist

Die geografische Nähe zu aktuellen Ausbrüchen macht die österreichischen Schutzmaßnahmen besonders relevant. Während Nachbarländer mit Fällen zu kämpfen hatten, blieb Österreich dank präventiver Zonen und Importkontrollen verschont.

Welche Tiere können sich mit der Maul- und Klauenseuche anstecken?

Die Maul- und Klauenseuche betrifft ausschließlich Klauentiere (Paarhufer). Zu den Hauptbetroffenen gehören Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Auch Kamelartige wie Alpakas und Lamas können sich anstecken. Wildtiere wie Rehe, Hirsche und Wildschweine stellen ein zusätzliches Reservoir dar.

Nach einem Ausbruch gilt die Keulung aller empfänglichen Tiere in betroffenen Betrieben als Standardmaßnahme. Diese drastische Vorgehensweise soll die Ausbreitung des hochansteckenden Virus verhindern. Die Morbiditätsrate kann bei Ausbrüchen bis zu 100 % betroffener Tierbestände erreichen.

Hauptbetroffene Arten

  • Rinder: Höchste wirtschaftliche Bedeutung; zeigen typische Symptome an Euter und Klauen
  • Schweine: Besonders anfällig für schwere Verläufe an den Klauen
  • Schafe und Ziegen: Oft mildere Verläufe, aber können das Virus verbreiten
  • Wildtiere: Können das Virus halten und an Nutztiere weitergeben

Übertragung

Das MKS-Virus verbreitet sich auf vielfältige Weise: direkt durch Kontakt mit infizierten Tieren, über Aerosole (Tröpfchen in der Luft), kontaminiertes Futter, Wasser, Gerätschaften und Fahrzeuge. Auch Menschen können das Virus mechanisch über Kleidung und Schuhe verbreiten. Die Inkubationszeit beträgt allgemein 2 bis 14 Tage.

Für Menschen sowie andere Tiere als Klauentiere stellt das Virus keine Gefahr dar!

Verbrauchergesundheit.gv.at (Offizielle Informationen des Bundes)

Wie merkt man Maul- und Klauenseuche?

Die Symptome der MKS variieren je nach Tierart, doch es gibt charakteristische Anzeichen. Bei Rindern beträgt die Inkubationszeit 2 bis 7 Tage. Erste Symptome sind hohes Fieber bis 42°C, verminderte Fresslust und starker Speichelfluss – umgangssprachlich als „MKS-Bart” bezeichnet.

Das klassische Merkmal sind Blasen (Aphthen) im Maul, an den Klauen, am Euter und an den Zitzen. Diese Blasen platzen und hinterlassen schmerzhafte Geschwüre. Betroffene Tiere zeigen Lahmheit, kauen kaum und können massive Milchleistungseinbußen erleiden.

Symptome bei Tieren

  • Fieber: 40–42°C
  • Speichelfluss: „MKS-Bart” als Frühindikator bei Rindern
  • Maulblasen: Schmerzhafte Aphthen an Zunge, Zahnfleisch, Lippen
  • Klauenrisse: Blasen am Kronrand und Zwischenklauenspalt
  • Lahmheit: Resultat aus Klauenbetroffenheit
  • Appetitlosigkeit: Durch Maulschmerzen

Bei Schweinen verläuft die Inkubationszeit mit 1 bis 3 Tagen kürzer. Die Klauenbetroffenheit steht hier im Vordergrund: Aphthen bilden sich primär am Kronrand und im Zwischenklauenspalt. Betroffene Schweine zeigen deutliche Lahmheit und sind kaum bewegungsfähig.

Früherkennung

Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend für die Eindämmung. Tierhalter sollten bei plötzlichem Fieber, Speichelfluss oder Lahmheit in der Herde sofort den Tierarzt verständigen. MKS ist eine anzeigepflichtige Tierseuche – jeder Verdacht muss den Behörden gemeldet werden.

Der Handlungsdruck

Bei einem bestätigten Ausbruch ordnen die Behörden sofortige Betriebssperren an. Für betroffene Landwirte bedeutet das: keine Verbringung von Tieren, strikte Hygieneprotokolle und letztlich die Keulung betroffener Bestände.

Gibt es eine Behandlung für die Maul- und Klauenseuche?

Eine spezifische Behandlung der Maul- und Klauenseuche existiert nicht. Die Bekämpfung setzt auf präventive Maßnahmen und, im Fall eines Ausbruchs, auf sofortige Eindämmung. Die Keulung aller empfänglichen Tiere in betroffenen Betrieben ist die Standardmaßnahme.

Nach einem Ausbruch werden restriktive Maßnahmen verhängt: Betriebssperren, Bewegungsverbote für Tiere und tierische Produkte, Desinfektion aller Betriebsstätten. Die Europäische Union schreibt dabei einheitliche Bekämpfungsprotokolle vor, denen Österreich folgt.

Therapieoptionen

Antibiotika sind gegen Viruserkrankungen wie MKS unwirksam. Unterstützende Maßnahmen können das Tierwohl verbessern: schmerzlindernde Mittel, weiches Futter für maulbetroffene Tiere, Desinfektion der Klauen. Jedoch bleibt die Seuchenbekämpfung primär auf Herdenebene.

Bekämpfung

  • Keulung: Tötung aller empfänglichen Tiere im betroffenen Betrieb
  • Desinfektion: Vollständige Reinigung und Desinfektion aller Betriebsstätten
  • Sperrzone: 3 km Schutzzone, 10 km Überwachungszone
  • Bewegungsverbot: Verbot der Verbringung von Tieren und Produkten
  • Tracing: Nachverfolgung möglicher Kontakte und Infektionsquellen

Eine Impfung gegen MKS ist grundsätzlich möglich, wird in der EU jedoch nicht routinemäßig eingesetzt. Die Diskussion um Impfstrategien wird auf EU-Ebene geführt, insbesondere nach den Ausbrüchen 2025. Österreich setzt bisher auf die Non-Impf-Strategie, die den Vorteil hat, dass geimpfte von infizierten Tieren unterschieden werden können.

Mit Ablauf des heutigen Tages wird die erweiterte Sperrzone im Osten Österreichs aufgehoben – ein Erfolg entschlossener, rascher Krisenbewältigung und vor allem ein Verdienst unserer bäuerlichen Familienbetriebe.

Norbert Totschnig, Landwirtschaftsminister

Zeitlicher Überblick

Zwei Meilensteine prägen die MKS-Geschichte Österreichs: Der große Ausbruch 1973 und die darauffolgende jahrzehntelange Seuchenfreiheit. Während 1973 noch intern überlieferte Ausbrüche mit Tierverlusten zu verzeichnen waren, konnte Österreich bei den 2025er Nachbarländer-Ausbrüchen dank präventiver Maßnahmen jeden Fall verhindern.

Datum Ereignis
1973 Großer MKS-Ausbruch in Österreich, Bezirke Gänserndorf und Mistelbach
1981 Letzter MKS-Ausbruch in einer niederösterreichischen Gemeinde
10.01.2025 MKS-Ausbruch Deutschland in Brandenburg – erster seit 1988
26.03.2025 Erster Fall im ungarisch-slowakischen Grenzraum
27.03.2025 Österreich erlässt Maßnahmenpaket: Sperrzonen und Einfuhrverbote
04.04.2025 Letzter Fall Slowakei
17.04.2025 Letzter Fall Ungarn
20./21.05.2025 Sperrzonen in Österreich aufgehoben
06.06.2025 Einfuhrverbot aus ungarischer Sperrzone beendet

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Die Faktenlage zu MKS in Österreich ist solide: Seit 1981 gilt das Land als seuchenfrei, alle nach 2025 erhobenen Proben waren negativ. Die Behörden – AGES, BMLUK, Landesregierungen – bestätigen übereinstimmend, dass kein Viruseintrag nach Österreich erfolgt ist.

Bestätigte Fakten

  • Österreich ist seuchenfrei seit 1981
  • Alle Proben 2025 negativ
  • Sperrzonen vollständig aufgehoben
  • Kein Eintrag des Virus trotz Nachbarländerausbrüchen
  • Keine Gefahr für Menschen oder Nicht-Klauentiere

Was unklar bleibt

  • Exakte Anzahl betroffener Tiere 1973
  • Serotyp des 1973-Virus
  • Detaillierte wirtschaftliche Schäden 1973
  • Serotyp der 2025er Ausbrüche in Nachbarländern

Maßnahmen und Schutz in Österreich

Das Zusammenspiel aus staatlichen Behörden und bäuerlichen Betrieben hat sich als erfolgreiches Modell erwiesen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig würdigte die „bäuerlichen Familienbetriebe” als „Verdienst” für die erfolgreiche Seuchenabwehr. Das BMLUK betonte, dass Österreich den EU-Vorgaben zur Bekämpfung konsequent folgte.

Aktuelle Vorgaben (seit 31. Mai 2025) erlauben die direkte Verbringung von Tieren aus Ungarn und der Slowakei, sofern die Tiere klinisch gesund sind. Das Verbrauchergesundheitsportal bestätigt: Für Menschen stellt das Virus keine Gefahr dar.

Fazit: Landwirte in Österreich profitieren von über vier Jahrzehnten Seuchenfreiheit – doch die Nachbarländerausbrüche 2025 zeigen, dass Wachsamkeit entscheidend bleibt. Österreichs Behörden reagierten rasch mit Sperrzonen und Importkontrollen und verhinderten einen Viruseintrag. Verbraucher: MKS ist für Menschen ungefährlich, stellt aber eine existenzielle Bedrohung für Nutztierbestände dar.

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Die Symptome, Ursachen und Risiken der Maul- und Klauenseuche bleiben für österreichische Tierhalter entscheidend, wie aktuelle Fälle in der Nachbarschaft zeigen.

Häufig gestellte Fragen

Was verursacht Maul- und Klauenseuche?

Die Maul- und Klauenseuche wird durch das Aphtovirus aus der Familie der Picornaviren verursacht. Es existieren sieben Serotypen (A, C, O, Asia 1, SAT 1, SAT 2, SAT 3). Das Virus ist äußerst widerstandsfähig gegen Austrocknung und Kälte.

Ist der Mensch von MKS betroffen?

Nein. Die Maul- und Klauenseuche ist eine Tierseuche, die ausschließlich Klauentiere (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und andere Paarhufer) betrifft. Für Menschen stellt das Virus nach aktuellem Wissensstand keine Gefahr dar.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Die Ansteckungsgefahr ist extrem hoch. Das Virus verbreitet sich direkt durch Tierkontakt, über Aerosole, kontaminiertes Futter, Wasser und Gegenstände. Die Morbiditätsrate kann bei Ausbrüchen bis zu 100 % betroffener Tierbestände erreichen. Daher gilt MKS als hochansteckende Tierseuche der Kategorie A.

Welche Maßnahmen gelten bei Verdacht?

Bei Verdacht auf MKS muss sofort der Tierarzt und die zuständige Behörde verständigt werden. MKS ist anzeigepflichtig. Bei Bestätigung wird der Betrieb gesperrt, alle empfänglichen Tiere werden getötet, und eine Schutzzone (3 km) sowie Überwachungszone (10 km) werden eingerichtet.

Gibt es Impfstoffe für MKS?

Ja, Impfstoffe gegen MKS existieren, werden aber in der EU nicht routinemäßig eingesetzt. Die EU verfolgt derzeit eine Non-Impf-Strategie, da geimpfte Tiere von infizierten Tieren serologisch unterschieden werden können. Impfstrategien werden auf EU-Ebene diskutiert.

Wie lange überlebt das Virus?

Das MKS-Virus ist sehr widerstandsfähig. Es kann in kontaminiertem Material wochenlang überleben, besonders bei Kälte und in feuchter Umgebung. Austrocknung und hohe pH-Werte (über 9 oder unter 6) reduzieren die Überlebensfähigkeit.

Welche Rolle spielt der Import?

Der Import von Klauentieren, Fleisch und Milchprodukten aus MKS-betroffenen Regionen ist die Haupteintragsquelle. Österreich verhängte 2025 sofortige Einfuhrverbote für Ungarn und Slowakei. Das Einfuhrverbot wurde am 6. Juni 2025 aufgehoben, nachdem beide Länder ihre Sperrzonen beendet hatten.